Ich lebte und lebe in Lidice
Als sie einwendete, sie könne ja nicht nähen, antwortete ihr eine polnische Mitgefangene: „Denk daran, du kannst alles … Sag nie, dass du etwas nicht kannst.“ Am Ende des Krieges absolvierte sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester den Todesmarsch. Heute sagt sie dazu: „Wer das nicht erlebt hat, kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass es so etwas hat geben können. Meine polnische Freundin und ich sagten dann einmal: „Mensch, Mädchen, haben wir das überhaupt überlebt? Gibt es so etwas? Solche Bedingungen?“
Jaroslava Skleničková (* 1926) wurde als jüngere von zwei Schwestern in der Familie eines Chefkochs geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie bedingt durch den Beruf des Vaters abwechselnd in ihrer Geburtsstadt Lidice, im mährischen Luhačovice und in Nový Smokovec in der Hohen Tatra. Nach der Grundschule in Königsgrätz besuchte sie ab 1941 die Handelsschule in Prag. Genauso wie ihre Schwester fuhr sie jeden Tag von Lidice aus zur Schule. Nach Lidice waren auch ihre Eltern nach der Zwangsaussiedlung aus der Slowakei zurückgekehrt.
Am 10. Juni 1942 ereilte die Familie Sklenička dasselbe Schicksal wie alle anderen Einwohner von Lidice - im Rahmen der Vergeltungsmaßnahmen nach dem Attentat auf Reichsprotektor R. Heydrich wurde der Vater wie alle Männer von Lidice, die älter als 15 Jahre alt waren, erschossen. Frau Skleničková kam zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester als jüngste Frau von Lidice ins Konzentrationslager Ravensbrück. Hier wurde sie nach 14 Tagen Quarantäne zuerst der Leder- und Fellverarbeitung für die deutsche Armee zugeteilt. Nach drei Monaten arbeitete sie in der Küchen- und Planierkolonne. Im Dezember 1943 kam sie als Näherin in die Firma Grahl ins angrenzende Fürstenberg. Als sie einwendete, sie könne ja nicht nähen, antwortete ihr eine polnische Mitgefangene: „Denk daran, du kannst alles ... Sag nie, dass du etwas nicht kannst." Am Ende des Krieges absolvierte sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester den Todesmarsch. Heute sagt sie dazu: „Wer das nicht erlebt hat, kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass es so etwas hat geben können. Meine polnische Freundin und ich sagten dann einmal: „Mensch, Mädchen, haben wir das überhaupt überlebt? Gibt es so etwas? Solche Bedingungen?"
Nach der Befreiung kehrte Frau Skleničková zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in die damalige Tschechoslowakei zurück. Kurze Zeit später zog sie nach Prag, beendete die Schule und arbeitete als Angestellte bei der Allgemeinen Versicherungsanstalt. Bereits in dieser Zeit machten sich die gesundheitlichen Folgen ihrer Inhaftierung bemerkbar. In den Jahren 1942-1945 hatte sich ihr angeborener gesundheitlicher Schaden deutlich verschlimmert - eine Hüftgelenksluxation, sie musste sich deshalb mehreren schweren Operationen unterziehen.
In dieser Zeit lernte sie auch ihren späteren Mann Čestmír kennen, den sie 1951 heiratete. Fünf Jahre später gab sie ihren Beruf auf, um sich neben ihren zwei Kindern und die Kinder ihrer Schwester auch um ihre schwerkranke Mutter kümmern zu können. Nach deren Tod im Jahre 1971 arbeitete sie bei der Firma Telexport des Tschechoslowakischen Fernsehens als Referentin. Nach dem Pensionseintritt zog sie mit ihrem Mann zurück nach Lidice, wo sie bis heute in dem Haus lebt, das der tschechoslowakische Staat nach dem Krieg für die überlebenden Frauen von Lidice hatte erbauen lassen.


