Totaleinsatz in Berlin

Totaleinsatz in Berlin … Ich kann Ihnen sagen, dass ich dabei geweint und daran gedacht habe, was meine Eltern durchgemacht haben müssen, als sie mich, ein gesundes Kind, irgendwohin schickten, sie wussten ja nicht wohin und ob ich wiederkomme … Also, das Trauma überkam mich, alles ist irgendwie wiedergekommen.“

Marie Jeníková, geb. Křiklavová (* 1924) wurde in Hrochův Týnec in Ostböhmen in einer Landwirtschaftsfamilie geboren. Sie lernte Damenschneiderin und erhielt 1944 den Befehl, nach Deutschland zu reisen und dort bei BMW in Basdorf bei Berlin zu arbeiten. Als Dreherin bearbeitete sie Köpfe für Flugzeugmotoren und versuchte, diese absichtlich zu beschädigen, damit sie nicht funktionierten. Später arbeitete sie im Lager und als Hilfskraft im Büro. Sie lebte zusammen mit den anderen Mädchen in Holzbaracken eines gemeinsamen Lagers in Basdorf, etwa 8 km von der Arbeitsstelle entfernt, täglich mussten sie hinlaufen. Das Essen war karg, die Päckchen von zu Hause halfen viel. Auch die hygienischen Bedingungen in der Unterkunft waren schlecht. Warmes Wasser hatten die Frauen hier nur in Ausnahmefällen, bei der Körperhygiene und beim Wäschewaschen musste sie sich mit kaltem Wasser begnügen. Die Räume waren voll von Wanzen und anderem Ungeziefer. In Basdorf erlebte Frau Jeníková viele Luftangriffe, die auch mehrere Zwangsarbeiter das Leben kosteten.

Nach dem Krieg wechselte sie mehrere Arbeitsstellen, sie arbeitete als Damenschneiderin, Telefonistin, Therapeutin und Krankenschwester in der psychiatrischen Heilanstalt in Havlíčkův Brod. Nach dem Pensionseintritt arbeitete sie im Kulturhaus als Platzanweisern bei Konzerten, Theatervorführungen und Kulturveranstaltungen.

Im Jahre 2001, als sie eine Entschädigung im Rahmen der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft beantragte, erinnerte sie sich wieder an die Zeit ihrer Zwangsarbeit:
„Aber ich kann Ihnen sagen, erst damals bin ich mir bewusst geworden, wie arm wir dran waren, als wir da hingingen, was wir dort erlebt haben und dass es ein großes Glück ist, dass wir lebend und gesund heimgekehrt sind und dass das an uns einfach ohne irgendwelche drastischen Spuren an uns vorüber gegangen ist ... Ich kann Ihnen sagen, dass ich dabei geweint und daran gedacht habe, was meine Eltern durchgemacht haben müssen, als sie mich, ein gesundes Kind, irgendwohin schickten, sie wussten ja nicht wohin und ob ich wiederkomme ... Also, das Trauma überkam mich, alles ist irgendwie wiedergekommen."

Im Jahre 2002 erhielt sie dann eine finanzielle Entschädigung und freute sich darüber:
„Und dann hatte ich auf einmal den Eindruck, dass ich etwas Geld habe. Und ich habe immer gesagt, das ist doch nicht möglich, das ist nicht möglich, ich habe es vergessen. Ich habe nicht erwartet, dass ich etwas bekomme. Nun, und als das dann wahr wurde, da habe ich gestaunt, ich ging zur Post und hatte Angst, dass mich niemand überfällt, wenn ich das Geld hole ... ich habe es unter den Arm geklemmt und bin damit auf die Bank gelaufen."



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